Nachdem bereits zuvor betrügerische E-Mails mit angeblichen Insolvenzkanzleien – etwa der angeblichen „Düsseldorfer Insolvenz Kanzlei Rausch“ – im Umlauf waren, taucht derzeit eine neue Variante derselben Betrugsmasche auf.
Diesmal nutzen die Täter den Namen der bekannten Wirtschaftskanzlei Noerr und geben sich in E-Mails als angebliche Insolvenzverwalter aus.
E-Mails mit angeblichen Insolvenzverwertungen
Die aktuell kursierenden Nachrichten folgen einem bekannten Muster:
Empfänger erhalten eine E-Mail, die angeblich von einer Kanzlei oder einem Insolvenzverwalter stammt. Darin wird auf eine „Insolvenzverwertung“ oder einen „Verwertungskatalog“ verwiesen, über den angebliche Vermögenswerte aus Insolvenzverfahren angeboten werden.
Dabei handelt es sich häufig um:
Baumaschinen
landwirtschaftliche Geräte
hochwertige Fahrzeuge
Metalle wie Kupfer ode
Edelstahl
weitere vermeintlich günstige Industrieprodukte
Die Empfänger werden aufgefordert, Bestellungen zu tätigen oder sich an einer angeblichen Verwertung zu beteiligen – häufig verbunden mit Vorauszahlungen.
Tatsächlich existiert die Kanzlei „Noerr“
Besonders perfide: Anders als bei vielen komplett erfundenen Kanzleinamen berufen sich die Täter diesmal auf eine real existierende Kanzlei.
Die Wirtschaftskanzlei Noerr ist eine international tätige Großkanzlei mit rund 540 Rechtsanwälten, Steuerberatern und Wirtschaftsprüfern an zehn Standorten in Deutschland, Europa und den USA.
Gerade diese reale Existenz soll Vertrauen schaffen und die Glaubwürdigkeit der E-Mails erhöhen.
Noerr warnt selbst vor den Betrugs-Mails
Die Kanzlei hat inzwischen selbst öffentlich vor der Masche gewarnt (Link zum Beitrag).
Nach Angaben von Noerr versenden unbekannte Dritte derzeit E-Mails, die sich fälschlich als Nachrichten der Kanzlei ausgeben und teilweise sogar Namen realer Anwälte oder Partner verwenden.
Die Täter nutzen dabei Domains wie etwa:
noerr-rechtsanwaelte.de
noerr-deutschland.de
noerr-insolvenz.de
Diese Domains gehören nicht zur Kanzlei – die offizielle Internetadresse lautet ausschließlich noerr.com.
In den betrügerischen Nachrichten wird häufig ein angeblicher „Verwertungskatalog Insolvenzverfahren“ mit verschiedenen Vermögenswerten zum Kauf angeboten. Laut Noerr handelt es sich hierbei um einen Betrugsversuch, bei dem der Name der Kanzlei missbraucht wird, um Zahlungen zu erschleichen.
Die Kanzlei hat bereits rechtliche und technische Maßnahmen eingeleitet und arbeitet mit zuständigen Stellen zusammen.
Typisches Vorgehen der Betrüger
Die Masche ähnelt stark anderen bekannten Betrugsfällen mit angeblichen Insolvenzverwertungen:
Versand einer E-Mail mit Kanzlei-Logo und professionellem Layout
Verweis auf eine vermeintliche Insolvenzverwaltung oder Liquidation
Link zu einer neu erstellten Website (häufig mit KI-generierten Inhalten)
Angebliche Produkte aus Insolvenzmasse zu ungewöhnlich günstigen Preisen
Aufforderung zur schnellen Bestellung oder Vorauszahlung
Häufig wirken sowohl die E-Mail als auch die Website auf den ersten Blick professionell – teilweise werden sogar Fotos, Logos oder Lebensläufe realer Anwälte übernommen.
Woran man die Fälschung erkennen kann
Empfänger sollten insbesondere auf folgende Hinweise achten:
Absenderdomain stimmt nicht mit der offiziellen Kanzlei-Domain überein
unerwartete Angebote von Insolvenzware
ungewöhnlich günstige Preise oder große Produktmengen
neu registrierte oder sehr einfache Website
Aufforderung zu Vorauszahlungen
Gerade wenn eine Kanzlei plötzlich Industrieprodukte oder Maschinen verkauft, sollte man besonders vorsichtig sein.
Fazit von Rechto.de
Die neue Betrugsmasche zeigt, dass Kriminelle zunehmend real existierende Kanzleien und KI-generierte Websites nutzen, um ihre E-Mails glaubwürdig erscheinen zu lassen.
Der aktuelle Missbrauch des Namens „Noerr“ ist ein weiteres Beispiel für diese Entwicklung.
Wer eine E-Mail mit angeblichen Insolvenzangeboten erhält, sollte daher immer kritisch prüfen, ob der Absender tatsächlich zu der genannten Kanzlei gehört.
